.: 19. Juli 1985 - der Tag, als Stava unterging :.
Die Dammbruchkatastrophe von Tesero u. Stava

Ca. 30 km von Bozen entfernt liegt das Fleimstal (Val die Fiemme, autonome Provinz Trentino)) mit seinen Ortschaften Tesero
und Stava. Letztere liegt am Ende des Tales, im Berg dahinter betrieb eine Bergwerksgesellschaft
eine Fluormine und hatte zur Absetzung des Schlammes zwei große Absetzbecken im Hang gebaut.
Diese beiden Becken lagen direkt hinter- und übereinander (man kann sie sich wie 2 riesige
Treppenstufen vorstellen).
Die beiden Dämme der Becken waren mehr als 20 Jahre alt und aus Sand gebaut. Der Damm des
oberen Beckens war 34 Meter hoch und hatte eine Böschungsneigung von 80 % (entspricht einem Winkel
von 40°). Bereits 1975 wurde die Standfestigkeit dieses Dammes auf Drängen der Gemeinde Tesero
untersucht und als unsicher und instabil eingestuft. Dies war allen Verantwortlichen bekannt, doch die
Gemeinde bekam einen positiven Bescheid und die Dämme wurden von den Betreibern weiter erhöht.
Die Sicherheit war also extrem niedig und trotzdem wurde der Damm nicht gesichert.
Für die Verantwortlichen hatte der wirtschaftliche Nutzen Vorrang vor der Sicherheit.
Am 19. Juli 1985 brach um 12.22 Uhr der obere Damm, stürzte in das untere Becken und brachte
auch dessen Damm zum Brechen. Eine Flutwelle mit ca. 180.000 Kubikmeter Wasser, Schlamm und Sand
raste mit einer Geschwindigkeit von ungefähr 90 km/h auf die Ortschaft Stava zu, überrollte
den Ort, um dann weiter durch das Tal auf den Touristenort Tesero zuzurasen. Auf ihrem Weg nahm die
tödliche Flutwelle weitere ca. 50.000 Kubikmeter
Erde, Gebäudeschutt und entwurzelte Bäume mit und zerstörte alles, was auf diesem
Wege lag. Die Schlammschicht verteilte sich auf
4,2 km Länge und bedeckte eine Fläche
von 435.000 qm. Der Ort Stava verschwand -bis auf einige wenige Häuser- vollkommen von der
Erdoberfläche.
Anhand der geborgenen Toten plus der Anzahl der Vermissten wird die Zahl der Todesopfer offiziell mit 268 angegeben.
28 Kinder unter 10 Jahren, 31 Jugendliche unter 18 Jahren, 89 Männer und 120 Frauen verloren bei dieser
Tragödie ihr Leben.
An Gebäuden wurden zerstört: 3 Hotels, 8 Brücken, 6 Industriegebäude, 53 Häuser.
9 Gebäude wurden stark beschädigt. Hunderte von Bäumen wurden entwurzelt, auf einer Fläche
von 27.000 qm haben Erosionsprozesse eingesetzt. Die Schadensumme wird mit 155 Millionen Euro beziffert.
Der Prozess dauerte bis 1992. Es wurden 10 Personen wegen Totschlags verurteilt, darunter die Manager
der Mine, die Verantwortlichen für den Bau und Betrieb der Anlagen sowie Verantwortliche der Aufsichtsbehörde
der autonomen Provinz Trentino. Der gesamte Schaden musste von den Betreibern der Mine und der Provinzregierung
getragen werden.
Weitere Informationen, wie z.B. Weg der Flutwelle, Video nach der Katastrophe, Bilder von den Absetzbecken
und den Zerstörungen, Opferliste u.v.m. findest Du bei der
Stiftung Stava 1985
Anmerkung
Ich selbst war in dieser Zeit ca. 10 km von Stava und Tesero entfernt in Urlaub und bin 2 Wochen nach der
Katastrophe mit unserem Hotelier in dem Tal gewesen. Dabei sind die 3 Bilder entstanden. Sie spiegeln bei weitem
nicht das Entsetzen wider, das man beim Anblick der Zerstörungen empfand. Die Aufräumarbeiten waren
schon weit fortgeschritten, trotzdem zeigen die Bilder noch deutlich das Ausmaß der Verwüstungen.
Die Bäume, die auf beiden Seiten der Flutwelle stehen geblieben sind, wiesen bis in eine Höhe von
ca. 4 Metern Schlammverkrustungen und abgerissene Äste auf.
In Stava blieben nur ein paar Häuser stehen - wahrscheinlich, weil sie etwas erhöht neben einem kleinen
Bergrücken standen. Ansonsten sah man auf der zerstörten Fläche nur noch
die Konturen von Fundamenten und konnte erahnen, wo einmal Hotels, Pensionen und Häuser standen. Es war schockierend zu
begreifen, wie schnell ein Haus bis zu den Grundmauern restlos von der Erde verschwinden kann. Die Menschen
(Einheimische wie Urlauber) saßen gerade beim Mittagessen und hatten keinerlei Chancen, der Katastrophe zu entkommen.
Erschütternd war auch das offene Massengrab auf dem Friedhof von Tesero. Noch immer suchte man
nach Opfern. Diejenigen, die nicht identifiziert werden konnten, wurden in dem Massengrab zur letzten Ruhe
gebettet. Natürlich habe ich dort nicht fotografiert, sondern ein Gebet und einen
Blumengruß hinterlassen.
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