
Die Pachler-Zottl
Die Stoanernen Mandlen waren der Sage nach ein beliebter Hexentreffpunkt, genauso wie der Rosswagen auf dem Ritten, der Schlern oder die Sarner Scharte. In Vollmondnächten kamen die Hexen von allen Seiten auf ihren Besen dahergeritten und trafen sich auf dem Gipfel der Hohen Reisch mit dem Teufel, um gemeinsam mit ihm ihr wildes Fest zu feiern keiner traute sich in einer solchen Nacht aus dem Haus.
Jeder hatte Angst davor, dass die Hexen ihm etwas zu Leide zu könnten. Eine unter den vielen Hexen, die sich um den Teufel scharten, soll auch die Pachler-Zottel aus Wildlahn gewesen sein.
Sie soll sogar eine der Lieblingshexen des Teufels gewesen sein.
Auf dem Pachlerhof in Windlahn im Sarntal lebte einst die "Pachler-Zottl", eine gefürchtete Hexe,
die Wetter und Tiere nach Belieben verhexte. Sie musste wohl mit dem Teufel im Bunde stehen, da das
verhexte Vieh der Reihe nach an den steilen Hängen der Windlahn "verkugelte". Mit dem Teufel und
den anderen Hexen aus der Gegend feierte sie bei den "Steinernen Mandln" nächtliche Gelage und
schreckte nicht davor zurück, fremden Kühen heimlich Milch aus den Eutern zu stehlen sowie
den Nachbarinnen das Zusammengehen der Butter im Schlegel zu vereiteln.
Nach allerlei bösen und unchristlichen Taten wurde die Pachler-Zottl eingefangen und hinab nach
Sarnthein gebracht, wo sie verurteilt wurde und schließlich droben am Öttenbacher Galgenplatzl zu
Asche verbrannte.
Soweit die Sage......
...und die Wirklichkeit
Die Pachler-Zottel hat es wirklich gegeben. Sie lebte Anfang des 16. Jahrhunderts in Wildlahn im Sarntal.
Missgünstige Nachbarn haben sie immer wieder verleumdet und schließlich öffentlich als Hexe angezeigt.
Machen wir uns auf die Suche nach der wirklichen Pachlerin!
Die Nachbarn der Pachler-Zottl, vor allem aber eine Nachbarin, wussten von allen möglichen Zauberkunststücken
zu erzählen.
Wenn den Nachbarinnen die Butter beim Butterstampfen nicht zusammenging, so war die Pachler-Zottl schuld daran.
Wenn ein Tier auf den steilen Hängen in Wildlahn abstürzte, so behaupteten die Bauern, die Pachler-Zottl habe
die Kühe verhext, sodass sie sich „verkugelten“.
Auch wenn eine Kuh keine Milch gab, hatten die Bauern schnell eine Erklärung bereit: Die Pachler-Zottl habe
mit Hilfe eines Zauberspruches der Kuh die Milch aus dem Euter gestohlen.
Und schließlich wurde die Pachler-Zottl als Wetterhexe verschrien, die dafür sorgte, dass ein Unwetter nach
dem anderen die Ernte zerstörte, der Blitz irgendwo einschlug oder der Hagel die Arbeit zunichte machte.
Dieser Aberglaube, vor allem aber die Missgunst der anderen, führte schließlich so weit, dass die Bäuerin vom
Pachler-Hof gefangen genommen wurde.
Unter dem höhnischen Grinsen der Nachbarn wurde die Pachlerin von Knechten des Richters nach Sarnthein ins
Schloss Reinegg gebracht. Dort bestritt sie zunächst immer wieder, als Wetterhexe Schaden über das Land
gebracht zu haben. Dann aber wurde sie immer wieder gefoltert, härter und immer härter. Schließlich gestand
sie alles, was ihr vorgeworfen worden war. Sie habe sich dem Teufel mit Leib und Seele verschrieben, um reich
zu werden. Die Kühe der reichsten Bauern habe sie gemeinsam mit ihrer Mutter verhext, sodass sie keine Milch
mehr gaben. Der Teufel habe ihnen dann selbst diese Milch in Kübeln nach Hause gebracht. Außerdem habe sie
ihren Nachbarn Schaden zugefügt, indem sie aus Kohlen Mäuse zauberten und diese dann auf die Getreidefelder
geschickt habe.
Schließlich berichtete die Pachlerin auch davon, wie sie sich mit dem Teufel bei den Stoanernen Mandeln
getroffen habe. Männer und Frauen aus der Meraner Gegend seien auch mit dabei gewesen. Diese hätten ein
Kind mitgebracht, das dann gebraten und gegessen worden sei.
Solche und viele weitere Geschichten erfand die Pachlerin, um den höllischen Schmerzen der Folter zu entgehen.
Dadurch verschaffte sie sich aber nur einen kurzen Aufschub ihrer Pein. Nachdem der Richter und die
Geschworenen genug gehört hatten, verurteilten sie die Pachler-Bäuerin zum Tod. Das Todesurteil wurde
noch am gleichen Tag auf dem Öttenbacher Galgenplatz vollzogen.
Viele Menschen schauten zu und freuten sich, wie eine unschuldige Frau als Hexe verbrannt wurde. Obwohl
wir heute wissen, dass es keine Hexen gegeben hat und auch die Pachler-Bäuerin keine war – in der Sage
ist sie die Hexe geblieben.
.:zurück:.